Wie geht es eigentlich in einem Tierheimkatzenzimmer zu?

Wie leben diese Katzen und wie sieht ihr Tag aus?

Wir versuchen mal, Ihnen einen kleinen Einblick zu geben.

Zur Zeit der Aufnahmen war unser Katzenzimmer von 8 erwachsenen Katzen und 10 Jungkatzen bewohnt, davon jedoch 3 gesondert in einem großen Käfig. Manchmal muß man aus gesundheitlichen Gründen, oder auch des lieben Friedens Willen, die ein oder andere Katze zeitweise separieren. Und wenn die Quarantäneräume besetzt sind, bleibt leider nur der Käfig.

Unseren Katzen steht nur das eine Zimmer zur Verfügung (von Frühjahr bis Herbst zusätzlich ein Freigehege). Und wir sind froh wenn alle sich vertragen und nicht der 3.Weltkrieg ausbricht. Die meisten Katzen arrangieren sich ganz gut miteinander. Einige gehen enge Freundschaften ein und andere stören sich zwar nicht an ihren Mitbewohnern, ziehen sich aber doch häufig zurück.

In unserem Katzenzimmer gibt es fast ständig eine "Diva". Diese Katze teilt grundsätzlich nichts. Wenn sie gestreichelt wird, dann wird sie gestreichelt und kein anderer. Wenn sie frisst, dann frisst sie. Hat sie einen gemütlichen Platz gefunden, dann wird jeder verhauen, der es wagt, da auch nur mal zu gucken. Die anderen fügen sich in der Regel, denn sie ist die Herrscherin in diesem kleinen Reich. Schwierig wird es erst, wenn noch eine "Diva" kommt. Das geht dann nicht mehr.

Aber auch die "Zicke" gibt es im Katzenzimmer. Scheinbar vollkommen entspannt und unbeeindruckt schreitet sie durch das Zimmer. Im Grunde hat sie aber nur eines im Sinn ... nämlich jedem "Ahnungslosen" eine mit der Pfote zu verpassen. Ist das erledigt, schreitet sie weiter als wäre nichts gewesen und erntet sowohl von tierischen als auch menschlichen Opfern verständnislose Blicke. Man gewöhnt sich eben an alles.

Katzen haben die verschiedensten Charaktere. Es gibt die Katzen, die immer um Aufmerksamkeit buhlen. Werden sie nicht schnell genug beschmust, springen sie einem auf die Schulter, auf den Kopf oder klettern sogar an den Hosenbeinen nach oben. Und sie können sich sicher vorstellen, daß das zwar lustig aussieht, aber auch gewaltig weh tut.

Dann gibt es die schüchternen Katzen, die immer still und unauffällig da sitzen und warten daß jemand zu ihnen kommt und dann noch die, die man permanent suchen muß, da sie die Ruhe lieben.

Jede Katze ist im Wesen einzigartig!

Optisch stehen wir jedoch oft vor einem Rätsel. Komplett schwarze Katzen, kann nur noch das geübte Auge unterscheiden. Schwarz/weiße Katzen unterscheidet man anhand ihrer Flecken, aber auch da kann man bei einer gewissen Zahl schnell mal durcheinanderkommen. Manchmal bleibt nichts anderes übrig als Unterlagen zu wälzen und diverse Tricks anzuwenden, um herauszufinden: "Wer warst du noch gleich?"

So ist das mit Katzen. Immer wieder spannend.

Wenn wir am frühen Morgen zum ersten Mal das Reich der Katzen betreten, bemühen wir uns, das Chaos zu übersehen. Gerade junge Katzen lassen kein Stein auf dem anderen. Es werden Katzenklos ausgeräumt, der Inhalt überall verstreut, Wassernäpfe werden umgekippt und Decken hilflos durch die Gegend gezerrt.

Wir sammeln also die leeren Näpfe und die auf den ersten Blick arg beschmutzten Unterlagen ein und kommen dann bewaffnet mit jeder Menge Katzenfutter zurück. Es gibt frisches Trockenfutter, Naßfutter, frisches Wasser und gelegentlich Katzenmilch.

Während sich unsere kleinen Raubtiere über ihre Mahlzeit hermachen, schauen wir erstmal ob noch alle da und munter sind. Dann bleiben wir ein Weilchen ... dort ein bisschen streicheln, hier ein bisschen spielen, bei dem mal etwas nachsehen. Nebenbei werden Akten gewälzt um zu schauen ob irgendwas besonderes anliegt. Wer bekommt seine Wurmkur? Muß noch jemand nachgeimpft werden? Wie schauen Deine Zähne aus? Wie geht es Dir heute? Und und und

Dann geht es an die Beseitigung des Chaos. Katzentoiletten werden rausgetragen (immerhin mind. pro Katze eines), entleert, gereinigt, befüllt und wieder reingetragen. Decken, Handtücher und Körbe werden eingesammelt und ausgetauscht. Die Oberflächen werden von Katzenstreu befreit. Es wird gefegt, gewischt und Polster werden abgesaugt. Nebenbei bleibt immer noch etwas Zeit zum spielen. Gerade Besen erfreuen sich bekanntermaßen großer Beliebtheit. Von Zeit zu Zeit muß man auch mal innehalten und den "Katzenrucksack" vom Rücken entfernen. Das kann schon mal sehr schwierig werden ;-)

Wenn das erledigt ist, ist es auch schon fast wieder Zeit für die nächste "Saalrunde". Wieder werden Näpfe eingesammelt und neu befüllt. 40 - 50 Katzennäpfe am Tag per Hand abzuwaschen und dazu nochmal 20 - 30 für die Hunde macht zwar keinen Spaß, ist aber nicht zu vermeiden. So weiß man wenigstens, was Palmolive früher mit Spülhänden meinte.

Während der Tag seinen gewohnten Ablauf nimmt, passieren auch immer mal wieder neue Dinge, die unsere Katzen eine Weile beschäftigen. Mal kommt der Tierarzt, mal ein neuer Mitbewohner, dann kommen die Kinder aus unserer Jugendgruppe, dann kommt mal die nervige Frau mit der Kamera und Besucher kommen ja auch ab und zu.

Aber trotzdem fehlt unseren Katzen die intensive Zuwendung. Wir sind einfach zu wenig Menschen mit zu wenig Zeit um jeder Katze die intensive Zuwendung einer richtigen Familie zugeben. Das merkt man und das macht traurig.

Wenn wir dann am frühen Nachmittag das Tierheim verlassen herrscht auch im Katzenzimmer wieder Ruhe. Alle Katzen liegen satt und zufrieden auf ihren Lieblingsplätzen und dösen vor sich hin. Nur der ein oder andere Bewohner kommt nochmal gucken wer da kommt, wenn die Tür aufgeht.

So ist das Leben im Katzenzimmer.

katzenalltag04
Ein einziges Gewusel und Durcheinander

katzenalltag03
Raubtierfütterung

katzenalltag02
Ich hab alle! Füllt das nochmal jemand nach?

katzenalltag07
Guck mal! Der hat was anderes bekommen. Warte ich angel mal.

katzenalltag01
Ja, wer ist nun wer? Josi? Hanni? Oder doch Polly?

katzenalltag05
Drei auf einen ist unfair!

katzenalltag06
Der Alfred. Wie ist der da nur raufgekommen?

Nun sind alle satt und zufrieden. Es ist Feierabend.

katzenalltag09
Häh? Du störst.

katzenalltag11
Hier auch?

katzenalltag10
Nagut, dann geh ich mal.